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Chemische Fabrik zu Schöningen

aus Helmstedt-Wiki, der freien Enzyklopädie über den Landkreis Helmstedt

Chemische Fabrik zu Schöningen

Rechtsform AG
Gründung 18561927
Anschrift
Schöningen

Die Chemische Fabrik zu Schöningen war ein Unternehmen zur Herstellung chemischer Produkte in der Stadt Schöningen im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen in Deutschland.

Unternehmensgeschichte

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Chemiker-Zeitung. XII, Nr. 57, 1888, S. 984

Das Unternehmen wurde 1856 gegründet und begann seine Tätigkeit mit der Herstellung von Schwefelsäure nach dem Bleikammerverfahren sowie von Natriumcarbonat (Soda) nach dem Leblanc-Verfahren. Dabei wurde Natriumchlorid (Kochsalz) mit Schwefelsäure zu Natriumsulfat (Glaubersalz) umgesetzt. Aus dem Sulfat gewann man Soda durch Brennen mit Kohle und Calciumcarbonat (Kalk).

In den späten 1850er-Jahren wurde auf Anregung des Chemikers Justus von Liebig, der seit 1858 Mitglied des Verwaltungsrats war und ein Schwager des Gründungsdirektors Adolph Rose war<ref>Heinz-Uwe Marquardt: Schöningen gestern und heute. Band 1, Marquardt, Schöningen 1999, ISBN 3-00-004757-3, S. 7.</ref>, in der Schöninger Fabrik bereits Superphosphat produziert. Dieses wurde durch Aufschluss von Calciumphosphat aus Knochenkohle mit Schwefelsäure und Salzsäure hergestellt.<ref>Adolph Rose: Ueber künstliche Düngemittel, insbesondere phosphorreiche. In: Adolph Stöckhardt (Hrsg.): Der chemische Ackersmann, Band 4, Verlag Georg Wigand, Leipzig 1858, S. 222–234.</ref> Felddüngungsversuche mit Superphosphat aus Schöningen an Zuckerrüben ergaben 1859 einen Rekordertrag von 189,4 Zentnern pro Morgen, während ungedüngte Zuckerrüben lediglich 90,1 Zentner pro Morgen erzielten.<ref>Wilhelm Rimpau: Düngungsversuche mit Zuckerrüben, insbesondere unter Anwendung von phosphorreichen Düngemitteln. In: Adolph Stöckhardt (Hrsg.): Der chemische Ackersmann. Band 5, Verlag Georg Wigand, Leipzig 1859, S. 102–110.</ref>

Im Jahr 1864 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; einige Aktien befanden sich im Besitz Liebigs.<ref>Justus von Liebig: Briefe an Vieweg. Nachdruck: Vieweg und Teubner, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-663-19706-5, S. 315–321.</ref>

In den 1870er-Jahren entwickelte sich der Betrieb zum bedeutendsten Düngemittelhersteller Norddeutschlands. Das Unternehmen stellte für seine Fabrikarbeiter günstige Werkwohnungen bereit, erwartete jedoch von ihnen politisches Wohlverhalten. Bei der Reichstagswahl 1874 drohte Direktor Rose in einer Betriebsversammlung Mitarbeitern, die den Sozialdemokraten Wilhelm Bracke wählen wollten, mit Entlassung.<ref>Sammlungen sämmtlicher Drucksachen des deutschen Reichstages, 2. Legislaturperiode, 1. Session 1874, Band 2, Julius Sittenfeld, Berlin 1874, Nr. 101, S. 5.</ref>

Die Produktion von Mineraldünger und Schwefelsäure blieb bis in die 1920er-Jahre das Kerngeschäft des Unternehmens.<ref>Handelskammer für das Herzogthum Braunschweig (Hrsg.): Die Erzeugnisse des Herzogthums Braunschweig. Braunschweiger Verlag für kaufmännisches Unterrichtswesen und Wirtschaftskunde, Braunschweig 1901, S. 42.</ref> 1925 wurde das Unternehmen liquidiert und zum 1. Dezember 1927 aus dem Handelsregister gelöscht.<ref>Die Chemische Industrie, 50. Jahrgang 1927, S. 1381.</ref> Die Produktionsanlagen im Südosten der Schöninger Kernstadt, an der ehemaligen Bahnstrecke Oschersleben–Schöningen, wurden vollständig abgerissen.

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 52° 8′ 5″ N, 10° 58′ 40″ O

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